Oft wird die Ölfarbe als das älteste Malmittel überhaupt eingestuft. Dabei ist sie in Wirklichkeit viel jüngeren Datums als die Aquarellmalfarbe oder besser gesagt als eine mit Wasser gelöste Farbe.
Die Temperafarbe nämlich ging der Ölfarbe lang voraus und wurde für Tafelbilder wie auch für Fresken verwendet. Temperafarbe bestand aus in Wasser gelösten Farbpigmenten, die mit Eigelb oder einem ganzen Ei gebunden wurden. Die Erfindung der Ölmalerei, d. h. der ölgebundenen Farbe, wird meist mit dem flämischen Maler Jan van Eyck aus dem frühen 15. Jahrhundert zugeschrieben. Wahrscheinlich haben aber auch andere Künstler gleichzeitig mit ähnlichen Rezepten experimentiert.
Wo immer auch die Ursprünge der Ölmalerei zu suchen sind, ihr Triumphzug war nicht aufzuhalten. Denn die mit Eigelb gemischte Temperafarbe war sehr zähflüssig und konnte nur in einer strichelnden Technik aufgetragen werden. Die ölgebundene Farbe erlaubte hingegen, weiche Übergänge und feine Modulationen zu schaffen. Anfangs wurde die Ölfarbe sehr dünn aufgetragen und das Bild mit Hilfe von Lasuren in mehreren transparenten Farbschichten aufgebaut. Die Oberflächen der Bilder waren sehr glatt, kein Pinselstrich blieb sichtbar stehen. Erst viel später entdeckten die Maler auch die expressiven Eigenschaften der Ölfarbe: Pinselstriche oder auch Spuren des Palettmessers wurden ein wichtiges Erkennungszeichen des individuellen künstlerischen Stils.